Deutsche Markennamen: unterschätzt, merkfähig, strategisch klug

Deutsch kann mehr als dröge und hausbacken

Alle wünschen sich einen einzigartigen Namen für das eigene Produkt, die Firma oder Marke: Eingängig, ungewöhnlich und innovativ – und vor allem so, dass er sich klar von anderen Angeboten abhebt. Doch wie gelingt das, wenn der Markt immer voller und das Netz immer lauter wird?

Eine Möglichkeit ist, über die Sprache zu punkten. In einer Branche, in der viele Namen ähnlich klingen und fast ausschließlich Englisch verwendet wird, ist eine „andere“ Sprache bereits ein Statement. Genau das gilt besonders für Deutsch: Statt automatisch Englisch zu wählen, kann man mit einem deutschen Markennamen bewusst aus der Masse herausstechen.

Haben sie schon von der Blue Ocean Strategie gehört? Diese kann man auch auf die Entwicklung neuer Markennamen anwenden. Blue Ocean steht für unberührte Märkte, in denen sich noch niemand tummelt. Anstatt also im Red Ocean (= stark umstrittenen Wettbewerbsfelder, in denen viel Konkurrenz „schwimmt“) einen weiteren Ansatz zu suchen, begibt man sich dahin, wo noch nicht so viel los ist. In unserem Fall einen sprachlich außergewöhnlichen Namen.

Das funktioniert natürlich nicht pauschal für jede Branche und jeden Markt. Wer global skalieren will oder in einem Umfeld agiert, in dem Herkunft eher belastet als stärkt, sollte das kritisch abwägen. Aber für viele Marken gilt: Es lohnt sich, die Frage zumindest zu stellen.

Gerade im IT-Umfeld werden fast ausschließlich englischsprachige Begriffe genutzt mit dem Ziel, international verständlich zu sein. Vielleicht kann man sich noch „romanische“ Sprachen oder Latein für einen Markennamen vorstellen. Deutsch gilt dagegen oft als altmodisch oder nicht international genug und wird daher kaum verwendet.

Doch: Das ist nicht zwangsläufig richtig – im Gegenteil. Selbst sperrige deutsche Namen können international funktionieren und sogar trendy wirken. Das zeigt zum Beispiel Jägermeister: Ein deutscher Markenname fällt auf und bleibt im Gedächtnis, egal in welchem Markt.

Kurz gesagt: Wenn in einem Umfeld zu 99 % englische Namen unterwegs sind, ist ein deutscher Ansatz der per se auffällig und genau daraus können echte Vorteile entstehen. Welche Vorteile das sind, beleuchten wir anhand von drei Beispielen aus verschiedenen Branchen.

1. Deutsche Markennamen: besser merkfähig als Englisch

Deutsche Namen fallen auf und bleiben besser hängen, weil sie klanglich aus dem “Standard-Schema” ausbrechen. Gerade online ist es schwer, mit austauschbaren Namen durchzukommen. Im KI-basierten Fintech-Bereich tummeln sich alle möglichen Namen mit „ai“ im Namen oder der Silbe Fin- zu Beginn.

Smartes Wortspiel aus Thema + Vorname: fällt auf und weckt Vertrauen

Wie benennt man ein Finanz-KI-Tool für KMUs so, dass es im Markt auffällt und gleichzeitig sofort zugänglich ist?
In einer trendigen Branche, die von englischen und eher beschreibenden Namen geprägt ist, braucht es einen anderen Ansatz. Die Entwickler des Cashflow-Management-Systems entschieden sich bewusst für einen Namen mit Charakter aus dem deutschen Sprachgebrauch.

ferdinanz verbindet auf sympathische Weise das Thema Finanzen mit einer eigenständigen, fast persönlichen Note.

Der deutsche Vorname klingt verlässlich und wie ein persönlicher Begleiter. Der Wortwitz am Ende, das Verschmelzen mit „Finanz“ gibt dem Namen das gewisse Etwas, das im Kopf bleibt. Auch international stellt der Name kein großes Hindernis dar, da ähnliche Vornamen in vielen Sprachen bekannt sind. Ein Markenname, der verständlich ist und hängen bleibt.

Die Chance: Einzigartigkeit im Suchkontext. Nach einem so außergewöhnlichen deutschen Namen wie Ferdinanz sucht man gezielt. Dadurch steigt die Trefferquote für die Marke, weil der Name seltener vorkommt – unser blauer Ozean – und keine weitere Variante von Namen wie finway, finmatics oder anyfin darstellt.

2. Herkunft als Markenvorteil: Made in Germany neu gedacht

Ein deutscher Name kann Nähe zur Herkunft signalisieren („made in Germany“) und für Werte stehen, die damit assoziiert werden: Handwerk, Qualität, Heimatverbundenheit. Das wirkt oft authentischer als generische Anglizismen.

Dahinein spielt auch der kulturelle Trend: „Local First“. In vielen Märkten gibt es eine wachsende Neugier auf lokale Sprache und Kultur. „Global, aber mit regionalem Stempel“ wird immer attraktiver, auch aus Gründen der Nachhaltigkeit und Unabhängigkeit von schwierigen Märkten.

Warum also für ein in Deutschland gegründetes Angebot nicht auch ein deutsches Naming?

echtheim - Seriöser Name für einen Immobilienservice mit eigener Note.

Ein Hausverwaltungs- und Immobilienservice braucht einen vertrauenswürdigen, seriösen Auftritt, denn die Kundschaft will sich darauf verlassen, dass ihre Gebäude in guten Händen sind.

Bei der Namensfindung für das Kölner Start-up war die Kombination aus modern / digital und persönlichem Kontakt besonders wichtig.

Der zu einem regionalen Angebot passende Name setzt sich zusammen aus zwei deutschen Begriffen, die zu den Werten (echt) und zum Thema (heim) führen.

In dieser neuen Kombination wirkt der Name heimatverbunden und „echt“ und macht ihn genau daher zum Markenmerkmal. Gerade deshalb wirkt er unter anderen unzähligen „Immo-Namen“ der Branche frisch und modern.

3. Weniger generisch, mehr Eigenständigkeit: Deutsch als Stilmittel

Viele englische Namen klingen locker – und ähnlich. Deutsch kann dagegen kantiger, klarer und unverwechselbarer wirken. Dies sorgt für Überraschung und für Gesprächsstoff: warum machen die das? Wie kommt es dazu? Oder sogar: „wie spricht man das aus?“.

Chance auf virale Aufmerksamkeit

Ein deutscher Name in einem englischen Umfeld wird eher diskutiert und geteilt. Ecken und Kanten sorgen für Charakter und oft für starke Marken: „Wie cool ist das denn? Hast du schon gesehen…? Und schon ist man nur mit der Auswahl einer ungewöhnlichen Sprache im Gespräch.

Der Sprachenmix machts – einzigartig und innovativ

Renamings sind besonders herausfordernd, da nicht nur ein neuer starker Name gefunden werden muss, sondern sich alle Beteiligten zudem von einem lang eingeführten Namen trennen müssen. Eine noch höhere Hürde ist zu überwinden, wenn andere Teile des Unternehmens den bekannten Namen behalten.

So geschehen bei der Software-Unit der Trapeze Group, die zum kanadischen Modaxo-Konzern gehört und mit einem Renaming eine neue zukünftige Ausrichtung im Markt verkörpern wollte. In einem konstruktiven Umbenennungsprozess ist es uns gelungen, den nun erfolgreich eingeführten Namen nexfeld zu entwickeln.

Das Besondere am Namen: er vereint nicht nur zwei inhaltlich passende Begriffe, sondern auch zwei Sprachen in sich, die die Vielseitigkeit und Grenzen überschreitende Verbindungen im öffentlichen Nahverkehr bereits andeuten und Rücksicht darauf nehmen, dass das Unternehmen, auch in Ländern Niederlassungen hat.

Das deutsche Wort feld ist dem englischen field sehr nahe und bietet auch im internationalen Raum keine Sprachbarriere. Es fällt auf und bleibt trotz aller Überlegungen sehr einfach in der Schreibweise.

Fazit: Deutsch kann mehr als bieder und hausbacken. In der richtigen Kombination ist es für viele Branchen ein echter Naming-Vorteil.

Ein deutscher Markenname kann sogar ein Wachstumshebel sein: Aufmerksamkeit, Wiedererkennung und Identität in einer Sprache, die in vielen Branchen selten geworden ist.

Sie stehen selbst vor einer Namensentscheidung? Innovativer Name in Deutsch – oder anderen Sprachen – gesucht? Dann beantworten wir gerne Ihre Fragen in einem kurzen Name-Call.

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