Firmenname oder Markenname gesucht? Beantworten Sie diese 5 Fragen
Der Name ist meist das Erste, das Kunden von einer Marke zu hören oder zu sehen bekommen, was ihn für ein Business so bedeutungsvoll macht. Er sollte möglichst ein ganzes Firmenleben lang halten, denn einen bereits eingeführten Namen zu ändern, ist ein großer Aufwand. Genau deshalb ist der Druck so groß, genau den richtigen, perfekten und individuell passenden Namen zu finden. Da kann man schon mal an der Fülle der Möglichkeiten und Anforderungen, die alle in ein paar Buchstaben gepackt werden sollen, verzweifeln.
Manche Wünsche an Namen schließen sich sogar gegenseitig aus. So hören wir oft den Wunsch von Kunden, der Name solle innovativ und gleichzeitig seriös, einfach verständlich und dabei originell sein. Und am liebsten maximal fünf Buchstaben haben und international verwendbar sein … Man merkt schon, dass das nach einer ziemlich komplizierten Aufgabe klingt.
Erst das Profil, dann die Buchstaben
Je mehr Wünsche und Anforderungen man an den Namen hat, desto mehr werden diese zu einem Dschungel, aus dem man am Ende gar nicht mehr herausfindet. Man sieht, bildlich gesprochen, den Wald vor lauter Buchstaben nicht mehr. Indem Sie sich zunächst auf die fünf wichtigsten Fragen zu Ihrem Thema konzentrieren und möglichst konkrete Antworten zu diesen finden, haben Sie schon mal eine gute Routenplanung parat, um die Namenssuche zu starten.
Frage 1: Was für ein Vorhaben soll benannt werden?
Klingt fast schon banal, schließlich sollte doch jeder, der ein Unternehmen gründet oder ein neues Produkt auf den Markt bringt, beschreiben können, was er da macht. Die Schwierigkeit liegt aber oft darin, das Projekt genau zu beschreiben, ohne allzu platte Aussagen. Versuchen Sie, möglichst konkret zu sagen, was ihr Angebot beinhaltet. Nicht nur „Personal Coaching“, sondern was genau in diesem Feld? Bieten Sie digitale Lösungen an oder 24/7 eine persönliche Beratung? Wo liegen Ihre speziellen Stärken und Erfahrungen? Was genau kann die Software, die Sie gerade entwickelt haben und für welchen Bereich ist sie vorgesehen?
Nach unserer Erfahrung ist das nicht so selbstverständlich wie es klingt. Stellen Sie sich vor, Sie müssten jemanden briefen, der überhaupt keine Ahnung von Ihrem Vorhaben hat oder Sie würden es einem Grundschüler erklären. Vermeiden Sie dabei zu allgemeine Aussagen wie „Service“ oder „Beratung“, sondern versuchen Sie eine wirklich aussagekräftige Erklärung. Alle Ansätze, die Sie hier finden, bilden die Basis für die spätere Namenssuche. Konzentrieren Sie sich hier also genau auf das WAS des Angebots.
Frage 2: Welche Zielgruppe, Kunden oder User möchten Sie hauptsächlich ansprechen?
Bei dieser Frage dreht sich alles um das WER: Wer soll von Ihrem Angebot profitieren? Wessen Bedürfnisse wollen Sie im Blick haben und wie wollen Sie diese Zielgruppe ansprechen? Zu dieser Frage gehört das Einsatzgebiet – eher regional oder international – und erste Gedanken zu einer Marketing-Strategie. Ist ihre Hauptzielgruppe eher älter und „gesetzt“ oder wollen Sie die junge Generation ansprechen?
Das nimmt auch Einfluss auf die Sprache, die für den Namen infrage kommt. Sind englische Begriffe möglich und werden diese von der Zielgruppe akzeptiert? Oder wollen Sie lieber auf Ihr Herkunftsland verweisen und auf die deutsche Sprache bauen? Seriös klingende Namen kann man zum Beispiel mit einer lateinischen Anmutung bilden (z. B. Connectum für Medien- und Beschallungstechnik), exotische Sprachen eignen sich eher für ausgefallenere Namen wie z.B. bei Ubuntu (ein Wort in Zulu für Menschlichkeit) oder Kununu (Suaheli für „unbeschriebenes Blatt“). Machen Sie sich ein Bild von Ihren zukünftigen Kunden und überlegen Sie, mit welchem Namenstyp Sie diese am besten erreichen können.
Eine kreative Methode, sich in seinen späteren Kunden oder User hineinzuversetzen ist zum Beispiel die Empathy Map (Mehr dazu weiter unten).
Frage 3: Wie könnte das Angebot eventuell erweitert werden? Denken Sie zehn Jahre in die Zukunft.
Auch wenn es vielleicht schwerfällt, sich als Hellseher oder Hellseherin zu versuchen und so weit in die Zukunft zu schauen, so ist diese Frage doch entscheidend für die Namenssuche. Vor allem bei einem Firmennamen sollte man nicht zu konkret an der aktuellen Ausrichtung kleben bleiben, da man eben nicht wissen kann was die Zukunft bringt. Bleiben Sie bei der Namenfindung „Fit for Future“ und suchen sie möglichst einen Namen, der nicht allzu sehr einschränkt. Google hat das vorgemacht mit seinem Holding-Namen „Alphabet“ der von A bis Z nun wirklich alle Themen integrieren kann.
Wenn Sie ein erstes Produkt auf den Markt bringen, sollten sie zudem gut überlegen, ob der Produktname auch gleichzeitig der Firmenname sein soll. Das klingt erstmal logisch und passt vielleicht für die nächsten Jahre. Aber was, wenn in Zukunft weitere Produkte hinzukommen oder gar ganz neue Bereiche? Ein weiteres Produkt im Portfolio zu benennen ist einfacher als später ein umfangreiches Renaming der Firma zu unternehmen.
Gerade im technischen Bereich sind die Trends von heute oft schnell überholt. Bei der Benennung also möglichst auf Hinweise zu aktuellen Trends verzichten. Wenn Sie heute einen Streamingdienst starten und diesen auch so nennen, könnten Sie das gleiche Problem bekommen wie Unternehmen, die noch vor nicht allzu langer Zeit „DVD“ im Namen führten. Derzeit ist „Streaming“ die aktuelle Form des Home-Entertainments. Doch wer weiß schon, wie in Zukunft Filme konsumiert werden?
Vorsicht geboten ist auch bei Eigennamen oder allzu konkreten Ortsangaben im Unternehmensnamen. Diese mögen persönlich und nahbar scheinen, können sich aber schnell überholen, wenn Sie einen Partner ins Boot holen, die Firma verkaufen oder umziehen. Daher die Zukunft im Blick behalten, selbst wenn oder gerade weil man nie wissen kann, was noch kommt.
Frage 4: Was lässt sich als USP bzw. als Mehrwert Ihres Vorhabens benennen?
Was macht Ihr Vorhaben bzw. Projekt einzigartig, oder zumindest interessanter als vergleichbare Angebote? Anders gefragt: Welches Hauptproblem löst Angebot auf welche Weise?
Wenn Sie bei der ersten Frage schon sehr konkret ihr Vorhaben beschrieben haben, fällt die Antwort hier leichter. Nun geht es nicht nur um das WAS Sie tun, sondern WIE IM BESONDEREN Sie es tun. Warum sollen die Kunden zu Ihnen kommen, was bieten nur Sie in dieser Form an?
Sie haben sicher schon vom USP – der Unique Selling Proposition – gehört, den ein Unternehmen für sich definiert haben sollte. Allerdings ist es heutzutage bei der Masse an Angeboten in schwieriger geworden, ein wirklich einzigartiges Alleinstellungsmerkmal zu finden. Mit „höchste Qualität“ oder „bester Service“ kommt man nicht weit, denn das behaupten viele von sich und es klingt beliebig und austauschbar. Versuchen Sie daher, möglichst konkrete Merkmale herauszugreifen und diese in den Vordergrund zu stellen.
Dabei können sie sogar sehr fantasievoll beschreiben, worin sich Ihr Angebot von anderen unterscheidet. Starten Sie mit grundlegenden Eigenschaften wie breiter, schneller, weicher oder länger haltbar und gehen sie weiter zu horizonterweiternd, rebellisch, mütterlich oder heiß wie ein Vulkan. Selbst wenn Sie sich zwingen müssen, sich von allgemeinen Aussagen wegzubewegen.
Auch individuelle Besonderheiten, witzige Geschichten und „Eigenarten“ dürfen bei der Namensfindung mitspielen. So ist zum Beispiel der Name des Online-Hofladens „FridaFrisch“ vom Namen der Lieblingskuh Frida des Opas der Gründer abgeleitet.
Finden Sie die „besonderen Merkmale“ Ihres Vorhabens und Sie werden merken, wie die Ideen nur so sprudeln.
Frage 5: Welche drei Eigenschaften beschreiben den Charakter Ihrer Marke?
Die besonderen Merkmale vertiefen wir mit dieser Frage noch etwas und stellen uns vor, Ihre Firma oder Marke wäre eine Person. Welche wären deren herausragende Besonderheiten und Charakterzüge? Wäre sie femininer oder maskuliner, liebevoll oder kantig, kraftvoll oder nachgiebig? Denken Sie dabei nicht an sich selber, sondern an den Freund oder die Freundin, die Ihr Angebot oder Unternehmen charakterlich verkörpern würden.
Der Sprung, in die Figur oder Person zu schlüpfen, die Ihr Unternehmen sein könnte, fällt vielleicht zunächst schwer. Er hilft aber dabei, möglichst viele besondere Merkmale herauszuarbeiten, für die Ihr Vorhaben steht. Genau diese sind die wichtigen Bestandteile für Ihren unverwechselbaren, späteren Namen. So kommen Sie auf Worte und Adjektive, die bei der Namensfindung die Basis bilden.
Der Clou: So ein Sprung ins Kreativbecken kann richtig Spaß machen. So hat uns ein Kunde einmal sein neuartiges „Schmieröl für Wälzlager“ so beschrieben: „Ein Ritter, der das Wälzlager schützt und vor dem Abnutzungsfeuer des bösen Verschleißdrachens verteidigt.“ Das sind Leckerbissen für den kreativen Namenfinder, da sie sofort Bilder im Kopf erzeugen und den kreativen Gedankenfluss anregen.
Vom Fundament zum Multitalent: Vergessen Sie die „Erfolgsformeln“
Die Faustregel: Kurz ist nicht alles
Das ist jedoch kein Grund, die Buchstaben ins Korn zu werfen. Eine schlichte Faustregel lautet: Je einfacher und kürzer ein Name ist, desto weniger kann er etwas Besonderes erzählen und sich von anderen Namen unterscheiden. Ein kurzer, allgemein verständlicher Name wirkt zwar praktisch, sticht aber selten aus der Masse heraus.
Je kürzer ein Name ist, desto weniger Aussagen kann er also transportieren. Denn wie sollen vier oder fünf Buchstaben gleich mehrere Botschaften übermitteln? Dazu bräuchte man zumindest eine Erklärung, um die Message zu verstehen (z.B. FYEO – for your ears only). Oder es gelingt, mit einem kurzen Wort ein Bild zu transportieren, wie das Bild von Frische mit dem Namen Lime. Die vier Buchstaben geben dafür aber keinerlei Hinweise auf das Produkt – einen E-Roller. Soundhound oder BlablaCar sind nicht die kürzesten Namen, aber doch eingängig durch den Reim oder die witzige Bedeutung und bleiben trotz der neun bzw. zehn Buchstaben im Kopf. In der Kürze liegt also nicht unbedingt die Würze.
Das Namestorm-Fazit: Regeln brechen, Ideen fließen lassen
Ob Sie für Ihr Business eher einen einfachen, erklärenden, weniger originellen Namen bevorzugen oder einen auffälligen, neuartigen, sogar provozierenden Namen, wie Acne für eine Jeansmarke oder Wix für einen Website-Generator, hängt alleine von Ihnen und Ihren Zielen ab. Und die sollten möglichst individuell sein.
Wollen Sie auffallen und aufrütteln oder doch lieber zurückhaltend agieren, um niemanden zu verschrecken? Wenige hätten sich vermutlich getraut, ihr Unternehmen Monster zu nennen, wie das ehemalige Stellenportal. Weil es ohne typische Keywords wie job oder karriere auskommt, ist so ein Name jedoch einzigartig in der Branche.
Daher haben wir für das Naming eigentlich nur eine simple Regel: Vergessen Sie alle Regeln! Beschäftigen Sie sich beim Namestorming nicht zu früh mit Markenprüfungen oder Domain-Verfügbarkeiten. Lassen Sie die Ideen erst einmal fließen. Mehr Ideen bieten mehr Möglichkeiten und führen am Ende zu Ihrem individuellen, starken Namen.
Eine leicht anwendbare Anleitung, wie man auf möglichst viele Namensideen kommt und seinen individuellen Namen findet, gibt es in unserem Fachbuch „Starke Namen – mit der Namestorm-Methode Firmen und Produktnamen entwickeln“. Hier erfahren Sie auch, wie man sicher durch Marken- und Domainprüfungen navigiert und erhalten Profi-Tipps zur Bewertung und Entscheidung für den richtigen Namen.
Sie möchten die Namenssuche lieber direkt in erfahrene Hände legen? Erfahren Sie mehr über unseren Prozess bei der professionellen Namensentwicklung.
Weitere Blogbeiträge: